marbe
27.10.2006, 21:44 |
Diplomarbeit von Norbert Rost (Öffentliches Forum) |
Hallo,
ich habe mich ein wenig mit der Diplomarbeit beschäftigt und
finde, dass es sich hier im wesentlichen um eine oberflächliche,
wenig fundierte - insgesamt recht mangelhafte Auseinandersetzung
mit dem Thema Geld handelt. Die Arbeit strotzt nur so von
zusammengezimmerten Aussagen, die einer genauen Überprüfung nicht
standhalten.
So hätte ich gerne - als Beispiel - mal eine exaktere
Analyse zum Thema Zinsanteile in Preisen, Seite 39
um mal mit etwas zu beginnen.
Nichts für ungut
marbe |
Norbert

Dresden, 07.11.2006, 09:47
@ marbe
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Diplomarbeit von Norbert Rost |
Hallo marbe.
» ich habe mich ein wenig mit der Diplomarbeit beschäftigt und
» finde, dass es sich hier im wesentlichen um eine oberflächliche,
» wenig fundierte - insgesamt recht mangelhafte Auseinandersetzung
» mit dem Thema Geld handelt.
Nunja, ich gebe zu, inzwischen würde ich das eine oder anders machen/schreiben, aber vom Grundsatz her finde ich es immer noch sehr interessant und auch wichtig, Wirtschaft vom Blickpunkt des Geldes aus zu betrachten.
» Die Arbeit strotzt nur so von
» zusammengezimmerten Aussagen, die einer genauen Überprüfung nicht
» standhalten.
Na dafür gibts ja Foren, um das mal genauer auseinanderzunehmen.
» So hätte ich gerne - als Beispiel - mal eine exaktere
» Analyse zum Thema Zinsanteile in Preisen, Seite 39
» um mal mit etwas zu beginnen.
Ich guck jetzt nicht nach, was genau auf Seite 39 steht. Ich verweise einfach nochmal auf die Logik einer Investition:
Investitionen setzen Kapital voraus. Ein Investor hat immer zwei Möglichkeiten: Entweder er tätigt seine Investition oder er legt sein Geld am Geldmarkt an. Gemäß der Annahme, daß ein Investor streng rational handelt (wie es in der heute gelehrten VWL ja Usus ist), wird er sich für die für ihn vorteilhaftere Möglichkeit entscheiden. Das bedeutet: Investitionen finden nur statt, wenn sie mindestens eine Verzinsung abwerfen, wie sie der Geldmarkt bietet.
Daraus folgt: Die Höhe des Zinssatzes am Geldmarkt überträgt sich auf sämtliche Realkapitalien als Mindestverzinsung.
Nun setzt (nahezu) jedes Produkt und jede Dienstleistung den Einsatz von Kapital voraus. Da die Verzinsung für dieses Kapital über die Produktpreise (woher auch sonst?) reinkommen muß, läßt sich feststellen, daß in jedem Produktpreis Zinsanteile enthalten sind. Die Frage ist, wie hoch diese sind.
Wir können feststellen: Je höher der Kapitaleinsatz für eine Produktion, umso höher auch der Kapitalkostenanteil in den Preisen. Ob nun in der Mietzins aus 80% Kapitalkostenanteilen oder aus 40% Kapitalkostenanteilen besteht ist aus meiner Sicht nicht so wichtig. Deutlich sollte werden, DASS in NICHT UNERHEBLICHEM Maße Kapitalkosten in allen Preisen stecken, die wiederum durch die Höhe des Geldmarktzinssatzes entscheidend mitgeprägt werden.
Oder siehst du das anders?
Norbert |
marbe
22.11.2006, 09:02
@ Norbert
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Diplomarbeit von Norbert Rost |
Allgemein bekannt und Basiswissen der Wiwi:
Produktionsfaktoren sind Boden, Arbeit, Kapital - dies ist ein neutrales Faktum.
Wenn aber ein Herr Creutz in seiner mentalen Verblendung behauptet, im bier
wären 30% Zins, dann wird es langsam arg absurd.
Der Produktionsfaktor Arbeit kostet, rein finanzrechnerisch gesehen Personalaufwand, der Produktionsfaktor Kapital kostet, rein finanzrechnerisch gesehen Eigen- oder Fremdkapital. In dem Maß, in dem FK eingesetzt wird,
fallen natürlich auch Zinsen an. Alles banale ökonomische Fakten.
Mehr ist im Grunde dazu nicht zu sagen.
Wenn aber "Freiwirtschaftler" so tun, als seien alle Kapitalkosten = Zins
ist der Boden einer realistischen Betrachtung bereits verlassen.
Und das FK Zins kostet ist volkwirtschaftlich logisch, sonst fände sich
kein Gläubiger und es gäbe ohne Zins auch keine Möglichkeit der
Fremdfinanzierung eines Unternehmens. |
Norbert

Dresden, 23.11.2006, 11:36
@ marbe
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Zins & Kapitalkosten |
» Wenn aber "Freiwirtschaftler" so tun, als seien alle Kapitalkosten = Zins
» ist der Boden einer realistischen Betrachtung bereits verlassen.
Ich verstehe diese "freiwirtschaftliche" Aussage so:
Opportunitätskostenprinzip + Geldmarktzinssatz -->
Vorgabe der Verzinsung für ALLE Kapitalien
Was soll daran falsch sein?
Norbert |
marbe
27.11.2006, 21:13
@ Norbert
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Zins & Kapitalkosten |
Also hier liegt ein weiter grundlegender Irrtum vor:
Jedes solide Wirtschaftlexikon definiert Zins als das Entgelt
für die befristete Überlassung von Kaufkraft.
Wen ich nun in einer Diplomarbeit diese Definition verlasse,
muss ich das klar kommunizieren und sagen "abweichend von" usw.
sonst sind gröbste Mißverständnisse vorprogrammiert.
Ich dachte, wirtschaftswissenschaftliche basics müßten hier
nicht auch noch erinnert werden?
Zins ist auch die Entlohnung des Produktionsfaktors Kapital.
Man kann daher nicht einfach die Unterscheidung weglassen,
das dürfte doch klar sein!
» » Wenn aber "Freiwirtschaftler" so tun, als seien alle Kapitalkosten =
» Zins
» » ist der Boden einer realistischen Betrachtung bereits verlassen.
»
» Ich verstehe diese "freiwirtschaftliche" Aussage so:
» Opportunitätskostenprinzip + Geldmarktzinssatz -->
» Vorgabe der Verzinsung für ALLE Kapitalien
»
» Was soll daran falsch sein?
»
» Norbert |
Norbert

Dresden, 28.11.2006, 09:23
@ marbe
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Zins & Kapitalkosten |
» Also hier liegt ein weiter grundlegender Irrtum vor:
» Jedes solide Wirtschaftlexikon definiert Zins als das Entgelt
» für die befristete Überlassung von Kaufkraft.
Machen wir jetzt also ein bissl Sprachwissenschaft...
Ich kann die Definition eines Wortes auch aus einem anderen Lexikon holen:
Zins: von lat. census, Abgabe
Abgabe sagt nicht zwingend: Abgabe durch Geldverleih. Deshalb spricht man ja beispielsweise auch vom Mietzins, ohne gleich in Sprachverwirrung zu verfallen.
Schließlich sagst du auch selbst:
» Zins ist auch die Entlohnung des Produktionsfaktors Kapital.
Na also.
Aber egal. Es geht hier auch schließlich weniger darum, wie man ein Phänomen bezeichnet, als vielmehr darum, das Phänomen zu beleuchten.
Deshalb will ich das eigentliche Thema nicht aus den Augen verlieren:
Der Geldmarktzinssatz hat Auswirkungen auf die Höhe der Zinssätze in allen anderen Märkten. Das besagt das Opportunitätskostenprinzip.
Willst du das abstreiten?
Norbert |
marbe
28.11.2006, 12:14
@ Norbert
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Zins & Kapitalkosten |
Sorry, aber Opportunitätskosten sind per definition auch etwas anderes.
Und der Geldmarktzins habe Auswirkungen....
Ich bitte um konkret formulierte Thesen bzw. Schlüsse
und zuallererst DEFINITIONEN, sonst können wir alle weitere
Diskussion vergessen.
marbe
» » Also hier liegt ein weiter grundlegender Irrtum vor:
» » Jedes solide Wirtschaftlexikon definiert Zins als das Entgelt
» » für die befristete Überlassung von Kaufkraft.
»
» Machen wir jetzt also ein bissl Sprachwissenschaft...
» Ich kann die Definition eines Wortes auch aus einem anderen Lexikon
» holen:
» Zins: von lat. census, Abgabe
»
» Abgabe sagt nicht zwingend: Abgabe durch Geldverleih. Deshalb spricht man
» ja beispielsweise auch vom Mietzins, ohne gleich in Sprachverwirrung zu
» verfallen.
» Schließlich sagst du auch selbst:
» » Zins ist auch die Entlohnung des Produktionsfaktors Kapital.
»
» Na also.
» Aber egal. Es geht hier auch schließlich weniger darum, wie man ein
» Phänomen bezeichnet, als vielmehr darum, das Phänomen zu beleuchten.
»
» Deshalb will ich das eigentliche Thema nicht aus den Augen verlieren:
» Der Geldmarktzinssatz hat Auswirkungen auf die Höhe der Zinssätze in allen
» anderen Märkten. Das besagt das Opportunitätskostenprinzip.
»
» Willst du das abstreiten?
»
» Norbert |
Norbert

Dresden, 28.11.2006, 12:49
@ marbe
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Zins & Kapitalkosten |
hey marbe, du gehst SEHR SCHLUDRIG mit deinen lesefähigkeiten um!
ich schrieb von opportunitätskostenPRINZIP.
wenn ich vor der wahl zwischen zwei finanziellen entscheidungen stehe, so entscheide ich mich normalerweise für die finanziell bessere.
entscheide ich mich trotzdem für die finanziell schlechtere, so ist die differenz, auf die ich verzichte, als kosten zu werten: opportunitätskosten.
da der BWLer normalerweise kosten vermeidet, wird er sich NICHT für die schlechtere variante entscheiden, es sei denn, er legt die entstehenden "(opportunitäts)kosten" auf die investition um, für die er sich vielleicht doch entschieden hat.
bezogen auf die geldproblematik, die wir hier diskutieren bedeutet dies: wenn du eine investition zu treffen hast, so wirst du diese investition IMMER mit dem geldmarktzinssatz vergleichen. denn du könntest alternativ IMMER im geldmarkt "investieren". (der preis auf diesem markt ist ziemlich transparent: es ist der geldmarktzins.)
das bedeutet: ALLE investitionen müssen sich mit dem geldmarktzins messen lassen. handelt der investor rein rational [und/oder ist er auf fremdkapital angewiesen], so entfallen für ihn ALLE investitionen, die weniger als den geldmarktzins abwerfen.
daraus folgt: ALLE INVESTITIONEN MÜSSEN MINDESTENS MIT DEM GELDMARKTZINSSATZ VERZINST WERDEN.
worauf sich auf die dämliche diskussion um 30% im bier zumindest sagen läßt, daß da kapitalkostenanteile im bierpreis sind, die vom geldmarkt indirekt beeinflußt werden.
und wie hoch dieser zinsanteil ist, das wäre doch mal interessant! kennst du zahlen von einer brauerei? wie hoch sind da die kapitalkosten? wie hoch die gesamtkosten? wie hoch die preise? um wieviel würden die preise sinken, wenn die kapitalkosten sinken? um wieviel würden die preise sinken, wenn die zinsen am geldmarkt sinken?
Das ist die Frage.
norbert |